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Forderungsausfall

Datenschutz

Alle Screenshots und Beispiele auf dieser Seite zeigen ausschließlich frei erfundene Testdaten ("Musterfirma GmbH") — nie echte Kunden.

Manchmal endet die Mahnkette nicht mit einer Zahlung. Der Kunde ist insolvent, die Vollstreckung war fruchtlos, ein Vergleich scheitert — und irgendwann liegt ein Bescheid auf dem Tisch, der sagt: Dieses Geld kommt nicht mehr.

Dann wird die Forderung ausgebucht. Das ist etwas anderes als ein Storno und etwas anderes als eine Gutschrift, und der Unterschied ist der Grund, warum es diesen eigenen Vorgang gibt.

Warum nicht einfach stornieren?​

Weil ein Storno die falsche Aussage trifft. Er bedeutet: Diese Rechnung hätte es nie geben dürfen. Beim Forderungsausfall stimmt das Gegenteil — die Leistung wurde erbracht, die Rechnung war berechtigt, oft wird sogar daraus geklagt.

Storno / GutschriftAusbuchung
Aussagedie Rechnung war unberechtigtdie Rechnung war richtig, der Kunde zahlt nicht
Umsatzwird zurückgedrehtbleibt — er wurde erwirtschaftet
Lieferscheinewerden wieder "zu berechnen"bleiben fakturiert
Dokument an den Kundenja (Gutschrift)nein — reine interne Buchung
Mahnhistoriewird hinfälligbleibt als Nachweis

Besonders die letzten beiden Zeilen zählen: Eine Gutschrift über die eingeklagte Summe ist im Rechtsstreit das beste Beweisstück, das der Schuldner bekommen kann. Und die Mahnungen sind genau der Nachweis, auf den sich die Ausbuchung stützt — sie bleiben deshalb erhalten.

Was ausgebucht wird​

Die eine Regel

Ausgebucht wird immer der offene Rest, nie die Rechnungssumme.

Hat der Kunde vorher eine Teilzahlung geleistet, ist die erledigt — sie war echtes Geld und bleibt Umsatz. Nur was danach noch offen steht, fällt aus:

Rechnung 1.650,00
bezahlt 1.500,00 ← echtes Geld, abgeschlossen
offen 150,00 ← nur das wird ausgebucht

Auch die Umsatzsteuer wird nur auf diese 150,00 berichtigt, nicht auf die volle Summe. Hat der Kunde gar nichts gezahlt, ist der offene Rest zufällig die ganze Rechnung — dieselbe Regel, anderer Wert.

Der Vorgang​

Ihr findet ihn unter Finanzen → Forderungsausfälle. Der Knopf Forderung ausbuchen öffnet einen Dialog mit vier Angaben:

Feld
RechnungAuswahl aus allen offenen Rechnungen, mit offenem Betrag und erreichter Mahnstufe
Datum der Uneinbringlichkeitwann der Ausfall feststand — das Datum des Bescheids, nicht der heutige Tag
Bescheid / AktenzeichenPflichtfeld: worauf sich die Ausbuchung stützt
Anmerkungfrei, für alles Weitere

Dialog Forderung ausbuchen mit Rechnung, Datum, Bescheid, Anmerkung und vorbelegter Mahngebühr

Das Datum ist wichtiger, als es aussieht: Danach richtet sich, in welchem Zeitraum der Aufwand und die Steuerkorrektur in der Buchhaltung landen.

Der Knopf ist gesperrt, solange es keine offene Rechnung gibt — oder solange unter Einstellungen kein Aufwandskonto für Forderungsausfälle hinterlegt ist (siehe Einrichtung).

Kein Automatismus

Frakto bucht nie von sich aus aus. Es gibt keine Schwelle, ab der eine Forderung automatisch als uneinbringlich gilt — auch nicht nach der letzten Mahnstufe. Den Vorgang löst immer ein Mensch aus, wenn der Bescheid vorliegt.

Mahngebühren​

Sind zu der Rechnung noch Mahngebühren offen, zeigt der Dialog sie an und nimmt sie vorbelegt mit. Der Grund ist einfach: Wer die Hauptforderung nicht zahlt, zahlt die Mahnspesen erst recht nicht.

Ihr könnt den Haken entfernen — der Bescheid nennt ja einen bestimmten Betrag, und das ist eure Entscheidung. Nur solltet ihr wissen, was dann passiert: Eine Mahngebühr hängt an keiner Rechnung, sie steht allein im Kundenkonto. Bleibt sie stehen, schuldet euch der Kunde laut Frakto weiterhin diese Spesen — dauerhaft.

Nachholen könnt ihr es jederzeit: In der Liste steht dann ein Hinweis Mahngebühr offen an der Ausbuchung, mit einem Knopf zum nachträglichen Auflösen.

Sammelmahnungen

Umfasst eine Mahnung mehrere Rechnungen und ist eine davon noch offen, wird ihre Gebühr nicht angeboten. Sie gehört ja noch zu den Forderungen, die ihr weiter eintreibt.

Was danach anders ist​

Die Rechnung bekommt den Status Ausgebucht (uncollectible). Konkret heißt das:

  • Sie verschwindet aus der OP-Liste und aus der Rechnungsliste "Offene" — da ist nichts mehr zu holen.
  • Sie wird nicht mehr gemahnt. Ihre bestehenden Mahnungen bleiben erhalten, werden im Mahnwesen als Ausgebucht gekennzeichnet und lassen sich nicht mehr versenden.
  • Ihr Umsatz bleibt in allen Umsatzauswertungen stehen. Der Monat, in dem fakturiert wurde, ändert sich rückwirkend nicht.
  • Der ausgefallene Betrag erscheint als eigene Größe — als Kachel „Ausgebucht" in den Auswertungen und im Kundenprofil.
Ausgebucht ist kein Geldeingang

Ein Forderungsausfall zählt nirgends als Zahlung: nicht in der Zahlungsliste, nicht im Zahlungsverhalten des Kunden, nicht in der Liquidität. Sonst würde ausgerechnet der Kunde, der nie gezahlt hat, wie ein guter Zahler aussehen.

Wenn doch noch Geld kommt​

Eine Insolvenzquote, eine erfolgreiche Pfändung, ein später Vergleich — das kommt vor, oft Monate nach dem Bescheid. In der Liste der Forderungsausfälle gibt es dafür zwei Knöpfe rechts in der Zeile — solange noch etwas ausgebucht ist:

Liste der Forderungsausfälle: eine offene Ausbuchung mit den beiden Knöpfen, eine zurückgenommene, eine mit zwei Eingängen

wannwas passiert
Eingang verbuchenes ist Geld gekommenDie Ausbuchung wird in dieser Höhe zurückgenommen, die Umsatzsteuer anteilig berichtigt, der Betrag als ganz normale Zahlung gebucht. Die Rechnung bleibt geschlossen.
Ausbuchung zurücknehmendie Ausbuchung war falschKein Geld. Die Forderung steht danach wieder offen und läuft wieder in Mahnwesen und OP-Liste. Ein Grund ist Pflichtfeld.

Die Spalte Noch ausgebucht zeigt, was nach allen Eingängen und Rücknahmen übrig ist. Ist nichts mehr übrig, steht dort vollständig zurückgenommen, und die Knöpfe verschwinden.

Beim Eingang schlägt Frakto den vollen Rest vor, ihr könnt aber jeden kleineren Betrag eintragen — eine Quote kommt oft in Teilen. Mehrere Eingänge nacheinander sind normal; die Liste zeigt sie als eigene Zeilen unter der Ausbuchung. Dazu kommen Datum des Eingangs, Zahlungsart und ein Beleg oder Aktenzeichen:

Dialog Eingang verbuchen mit Betrag, Datum, Zahlungsart, Beleg und Anmerkung

Ausbuchung zurücknehmen nimmt immer den ganzen noch ausgebuchten Betrag zurück. Pflicht sind das Datum der Korrektur und ein Grund:

Dialog Ausbuchung zurücknehmen mit Betrag, Datum der Korrektur und Grund

Die Ausbuchung selbst bleibt stehen

Sie wird nicht nachträglich kleiner geschrieben. Stattdessen entsteht eine Gegenbuchung mit eigenem Datum. Das ist Absicht: Ein Monat, den ihr bereits an die Buchhaltung übergeben habt, darf sich nicht rückwirkend ändern. In der Liste seht ihr deshalb immer beides — was ausgebucht wurde und was davon zurückkam.

In der Buchhaltung​

Was Frakto tut — und was nicht​

Wird ein Entgelt uneinbringlich, ist die abgeführte Umsatzsteuer zu berichtigen (in Österreich § 16 UStG, in Deutschland § 17 UStG), und zwar in dem Zeitraum, in dem die Uneinbringlichkeit feststeht.

Frakto ermittelt diese Korrekturbeträge, schreibt sie fest und liefert sie vorkontiert in den Buchhaltungsexport. Frakto meldet keine Umsatzsteuervoranmeldung und führt kein Hauptbuch — die Meldung macht eure Steuerberatung. Diese Grenze solltet ihr im Gespräch mit der Kanzlei ausdrücklich benennen.

Aufteilung auf die Steuersätze​

Enthält eine Rechnung Positionen mit verschiedenen Steuersätzen, teilt Frakto den ausgebuchten Betrag anteilig auf alle Sätze auf. Der Kunde hat ja nicht „die 20%-Positionen" bezahlt, sondern einen Betrag auf die Rechnung — jede andere Zuordnung wäre willkürlich.

Rechnung 1.000,00 netto zu 20 % + 200,00 USt = 1.200,00
500,00 netto zu 10 % + 50,00 USt = 550,00
1.750,00
bezahlt 750,00
offen 1.000,00 (57,14 %)

Ausbuchung: 571,43 netto 20 % + 114,29 USt = 685,72
285,71 netto 10 % + 28,57 USt = 314,28
1.000,00

Diese Aufteilung wird beim Ausbuchen festgeschrieben. Ändert sich später ein Steuersatz im Stamm, bleibt die Buchung so, wie sie war.

Mahngebühren sind davon ausgenommen: Sie sind Schadenersatz und enthalten keine Umsatzsteuer (siehe Mahnwesen).

Im Export​

Ausbuchungen erscheinen im Buchhaltungsexport als eigene Zeilen — mit eigener Buchungsart und dem Aufwandskonto als Gegenkonto:

AR;IO-2026-000009;16.08.2026;Musterfirma GmbH;360,00;…;4000;U20;TRANSPORT
AB;IO-2026-000009;01.09.2026;Musterfirma GmbH · Insolvenz 12 S 34/26x;-260,01;…;7810;U20;

Der Umsatz bleibt im August gebucht, die Forderung wird im September gegen das Aufwandskonto ausgebucht. Der Bescheid steht im Buchungstext.

Das Belegdatum ist das der Ausbuchung

Eine Ausbuchung erscheint im Export des Zeitraums, in dem die Uneinbringlichkeit feststand — nicht in dem der Rechnung. Ihre Belegnummer verweist deshalb regelmäßig auf eine Rechnung außerhalb des Zeitraums. Das ist Absicht: So findet die Kanzlei die ursprüngliche Buchung wieder. Vor dem Download zeigt euch der Export-Dialog, welche Ausbuchungen enthalten sein werden.

Der Detailgrad​

Unter Einstellungen → System → Buchhaltung → Forderungsausfall stellt ihr ein, wie ausführlich die Ausbuchung im Export steht:

Einstellung
Netto und USt je Steuersatzje Steuersatz eine vorkontierte Zeile
Eine Bruttozeileeine Zeile über den Bruttobetrag, die Kanzlei teilt selbst auf

Die Aufteilung wird in beiden Fällen vollständig gerechnet und festgeschrieben — die Einstellung steuert nur, wie viel davon in der CSV landet. Beide Varianten summieren auf denselben Betrag.

Einrichtung​

Bevor zum ersten Mal ausgebucht werden kann, müssen zwei Werte gesetzt sein (Einstellungen → System → Buchhaltung):

Einstellung
Aufwandskonto„Abschreibung auf Forderungen" in eurem Kontenrahmen
Steuercode der Aufwandszeilein der Regel ohne Umsatzsteuer — die USt-Korrektur trägt die Codes der Rechnung
Buchungsart im Exportnur BMD: der Belegkreis der Ausbuchung, bewusst nicht „GU"

Ohne Aufwandskonto verweigert Frakto die Ausbuchung, statt stillschweigend kontenlos zu buchen. Die Seite weist oben darauf hin.

Die Vorgabewerte sind Platzhalter

Frakto liefert 7810 als Aufwandskonto und AB als Buchungsart mit. Das sind Beispielwerte, keine Empfehlung — sie gehören vor dem ersten Echtbetrieb von eurer Steuerberatung bestätigt. Das Konto wird beim Ausbuchen in die Buchung festgeschrieben; eine spätere Änderung wirkt nur auf neue Ausbuchungen.

Berechtigungen​

Der Forderungsausfall hat eine eigene Berechtigung und hängt bewusst nicht an „Rechnungen bearbeiten" — sonst dürfte jeder, der eine Rechnung ändern kann, auch Forderungen abschreiben.

Rechterlaubt
Ansehendie Liste der Forderungsausfälle
Anlegenausbuchen, und Mahngebühren nachträglich auflösen
Bearbeiteneinen Eingang verbuchen (Quote)
Löscheneine Ausbuchung zurücknehmen

Nach der Einrichtung ist keiner Rolle eines dieser Rechte zugeteilt — nur Administratoren kommen heran. Wer darf, entscheidet ihr unter Einstellungen → Berechtigungen.

Was Frakto nicht abbildet​

Fachlich gibt es eine Stufe vor dem endgültigen Ausfall: die Einzelwertberichtigung. Eine Forderung gilt als zweifelhaft (letzte Mahnstufe erreicht, Klage läuft), wird wertberichtigt — aber weiter eingefordert, und die Umsatzsteuer bleibt unangetastet.

Diese Stufe bildet Frakto nicht ab. Sie ist ein Thema des Jahresabschlusses und gehört zur Steuerberatung, nicht ins Tagesgeschäft. Frakto kennt nur den endgültigen Ausfall: Bescheid liegt vor, Forderung wird ausgebucht, Umsatzsteuer wird korrigiert.